Download WebSpeech     Verkauf der Schloßquellbrauerei

Zahlreich sind die Spekulationen und Zeitungsberichte über einen Verkauf des traditionsreichen Brauhauses von Schloßquell. Als Verkäufer tritt die Brau- und Brunnen AG auf, die anscheinend durch den Verkauf der gewinnbringenden Brauerei Verluste in der eigenen Bilanz ausgleichen möchte. Oder soll die Schloßquell geschlossen werden? Wieder würde ein Konzern dem allgemeinen wirtschaftlichen Trend folgend Stellen abbauen. In keinem Bericht und in keiner Meldung wird ein möglicher Käufer erwähnt.

Ungeachtet der Anlässe, Motive und Gründe des angeküngigten Verkaufs oder der Schließung schlage ich eine gesellschaftliche Neuheit vor. Die Übernahme des Unternehmens durch heidelberger Bürger soll ermöglicht werden, die Arbeitnehmer sollen Vorteile aus einer Beteiligung ziehen und Investoren sollen Vorzüge erhalten.

Ständig wurden in der Vergangenheit Unternehmen in allgemeine Aktiengesellschaften umgewandelt, wie z. B. Volkswagen, VEBA/VIAG usw. Im letzten Jahr wurde die Deutsche Telekom zur AG, die Aktien werden wohl gegen Ende des Jahres an möglichst viele Käufer ausgegeben werden.

Die Brau- und Brunnen AG müßte die Schloßquell AG abgeben, die in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wird. Der Ankauf von Aktien wird begünstigt.

Jeder heidelberger Einwohner erhält beim Kauf von Aktien Rabatte. Bei Kauf nur weniger Anteile wird ein geringer Rabatt gegeben, der mit der Anzahl der Anteile steigt bis zu einem Höchstrabatt. Die Aktienanzahl zur Erlangung des Höchstrabattes muß so niedrig angesetzt sein, daß jedem Interessent der Kauf von Aktien möglich ist und daß keine bestimmende Aktienmehrheit entsteht.

Neben der eventuellen Zahlung einer Dividende werden Vorzüge an die Besitzer von Aktienanteile gewährt. Die Art der Zuwendungen stellt eine völlige Neuerung im Bereich der Aktien dar. Arbeitnehmer mit Aktienbeteiligung erhalten eine prozentuale Lohn- Gehalts- oder Bezügeerhöhung, die mit steigender Aktienanzahl zunimmt und einen Höchstprozentwert erreicht.

Ferner erhalten Aktienbesitzer Preisnachlässe beim Einkauf von Schloßquellprodukten. Entweder werden ausweisähnliche Berechtigungen zum vergünstigten Einkauf von P`hloßquell vergeben oder ähnlich den Dividendencoupons jährlich Rabttmarken vergeben. In vereinfachter Weise könnten die Preisnachlässe auch nur an Gaststätten- und Wirtshausbetreiber oder Getränkemärkte gegeben werden. Neben Einwohnern und Arbeitnehmern wären die Berufsgruppen auch weit außerhalb Heidelbergs an den Interessen der Brauerei beteiligt, die die Produkte verkaufen.

Das Unternehmen könnte mehr zu einer lokalen Erscheinung werden, unabhängiger von einer zentralistischen Verwaltung und Firmenbeeinflussung. Das Geschick der Brauerei wird dem lokalen Bedürfnis, Bier zu trinken, entsprechend lokal entschieden. Vielleicht werden auch noch steuerliche Erleichterungen oder Abschreibungen möglich. Da Einwohner, Arbeitnehmer und Endverbraucher oder Verkäufer Vorteile aus dem Aktienbesitz erzielen wird zusätzlich zu den Kapitalanlegern ein Interessentenkreis gebildet.

Diese Darstellung betrifft nur eine Vorstellung zum Erhalt einer Brauerei auf eine ungewöhnliche Weise. Sehr viel Organisations- und Konzeptarbeit ist erforderlich, für die es keinen Ausführenden gibt. Es müßte darüber nachgedacht werden, ob ein Verein gegründet wird, ein Unternehmens- oder Wirtschaftsberatungsunternehmen konsultiert wird und wer die Kosten übernimmt. Auch sollte die Industrie- und Handelskammer und Teile der Stadtverwaltung an der Umsetzung der Idee beteiligt werden. Einen Teil der Gründungskosten könnte angesichts des Verlustes der Arbeitsplötze das Arbeitsamt bezahlen.

Letztendlich werden die Aktien von einer Bank emmittiert und dann an den Börsen gehandelt.

Die Ausführung der Aktiengesellschaft könnte so gestaltet sein, daß nach der Gründung Namensaktien zum vollen Emmissionskurs ausgegeben werden. Mit dem ersten Dividendencoupons werden 3 Vorzugsscheine ausgegeben.

Für beispielsweise je 100,-DM Zeichnungskapital werden 1% Rückzahlung auf den Kaufpreis gewährt bei Nachweis des Hauptwohnsitzes in Heidelberg, jedoch maximal 10%. Bei Kauf von 7 Aktien mit einem Nennwert von 700,-DM und einem Kaufpreis von 7000,-DM würden dann 7%, also 490,-DM zurückgezahlt.

Ferner werden für je 500,-DM Zeichnungskapital Bezugsscheine für 1% Gehaltszuwendung an Bedienstete gegeben bis maximal 10% der Gehaltssumme. Bei Besitz von 3 Aktien je 500,-DM und einem Jahreseinkommen von 60000,-DM würde eine jähliche Zuwendung von 1800,-DM gezahlt.

Käufer von Schloßquellprodukten sammeln die Rechnungen oder Wertmarken, am Ende des Jahres wird ein Rabatt ausgezahlt.

Ich hoffe, mit meinem Schreiben eine creative Idee dargelegt und eine Alternative zur Stillegung eines Unternehmens aufgezeichnet zu haben.

Heidelberg, 3. Juni 1996
Mathias Schmitz

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